Buffet-Chaos oder Service: Der fühlbare Unterschied beim Abendessen an Bord
Dieser Artikel hilft Ihnen, die für Sie richtige Wahl zwischen Buffet-Chaos und Service-Restaurant zu treffen. Er ist nichts für Passagiere, die Mahlzeiten nur als schnelle Nahrungsaufnahme zwischen zwei Events sehen.
Die unsichtbare Währung an Bord: Nerven vs. Zeit
Wer zum ersten Mal eine deutsche Kreuzfahrt bucht, unterschätzt oft den Faktor „Atmosphäre“. Auf Schiffen von AIDA oder Mein Schiff gibt es zwei völlig unterschiedliche Welten, die nur wenige Decks voneinander entfernt liegen.
Im Buffet-Restaurant (z. B. Markt Restaurant auf AIDA oder Anckelmannsplatz auf der Mein Schiff Flotte) zahlen Sie mit Ihren Nerven: Die Geräuschkulisse ist hoch, und die Suche nach einem freien Tisch kann zur Geduldsprobe werden. Im Bedienrestaurant hingegen zahlen Sie mit Zeit: Ein Menü im Atlantik (Mein Schiff) dauert entspannte zwei Stunden, erfordert aber Planung.
Das AIDA-Dilemma: Gratis-Getränke oder Service?
Ein spezifisches Phänomen auf AIDA-Schiffen ist das sogenannte „Tischhocker“-Problem. Da Tischgetränke wie Bier und Wein in den Buffet-Restaurants (Markt Restaurant, Bella Donna) inklusive sind, bleiben viele Gäste lange sitzen. Das führt zu Engpässen.
Die Alternative sind die Spezialitäten-Restaurants wie das French Kiss oder Casa Nova. Hier ist der Service am Platz inklusive und die Speisen sind oft im Preis enthalten, aber – und das ist der entscheidende Haken – die Getränke kosten extra. Viele deutsche Urlauber scheuen diese Zusatzkosten und nehmen lieber das Gedränge am Buffet in Kauf. Ein strategischer Fehler, wenn Sie Ruhe suchen.
Prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Restaurant-Infos direkt bei AIDA, um böse Überraschungen bei der Rechnung zu vermeiden.
Mein Schiff: Der unterschätzte Luxus des „Atlantik“
Bei TUI Cruises (Mein Schiff) ist die Situation anders. Durch das „Premium Alles Inklusive“-Konzept sind Getränke auch in den Hauptrestaurants Atlantik – Klassik und Atlantik – Mediterran weitgehend inklusive. Trotzdem stürmen viele Gäste gewohnheitsmäßig das Buffet im Anckelmannsplatz.
Der Profi-Tipp: Nutzen Sie das Atlantik bereits zum Frühstück. Statt mit dem Tablett Slalom zu laufen, bekommen Sie Kaffee und Eierspeisen am Platz serviert. Es ist der wohl entspannteste Start in den Tag, den Sie auf See haben können, und kostet keinen Cent extra.
Häufige Fehler
Viele Passagiere machen bei der Essensplanung dieselben drei Fehler, die sich leicht vermeiden lassen:
- Fehler 1: Die „Sitzfleisch“-Kultur unterschätzen. Besonders auf AIDA-Schiffen zu den Hauptstoßzeiten (19:00-20:00 Uhr) sind freie Tische im Buffet Mangelware. Wer erst dann kommt, steht oft mit vollem Teller ratlos im Gang.
- Fehler 2: Reservierungen ignorieren. Für Bedienrestaurants wie das Richards oder Steakhouse-Varianten sind Reservierungen vorab über das MyAIDA-Portal oder die Mein Schiff App essenziell. Wer wartet, bis er an Bord ist, geht oft leer aus.
- Fehler 3: Den Dresscode missachten. Während im Buffet Shorts toleriert werden, wird in den Hauptrestaurants (z. B. bei MSC oder im Atlantik) am Abend eine lange Hose erwartet. Wer abgewiesen wird, landet frustriert wieder am Buffet.
Für wen das nicht geeignet ist
Nicht jeder ist im Bedienrestaurant gut aufgehoben. Sie sollten diese Option meiden, wenn:
- Sie mit ungeduldigen Kleinkindern reisen: Ein 5-Gänge-Menü dauert. Wenn Ihre Kinder nach 20 Minuten spielen wollen, wird das Dinner für alle zur Qual. Das Buffet erlaubt schnelles Essen und Gehen.
- Sie in Eile sind: Wenn die Theatershow in 45 Minuten beginnt, schaffen Sie im Hauptrestaurant (MDR) maximal die Vorspeise. Service braucht Zeit.
Internationaler Vergleich: MSC und NCL
Auf internationalen Schiffen wie denen von MSC Cruises ist das Hauptrestaurant im Preis inkludiert, aber oft an feste Tischzeiten gebunden (Early/Late Seating). Das sorgt für Struktur, nimmt aber Flexibilität. Laut offiziellen Angaben von MSC können Gäste der „Aurea“-Erlebniswelt flexibler speisen („My Choice Dining“).
Norwegian Cruise Line (NCL) hingegen setzt auf „Freestyle Dining“ ohne feste Zeiten. Das klingt gut, führt aber zu Stoßzeiten oft zu Wartezeiten mit Pagern, ähnlich wie in amerikanischen Restaurants an Land.
Was Sie dafür aufgeben
Jede Entscheidung hat ihren Preis. Hier ist die ehrliche Bilanz:
- Entscheidung für Buffet: Sie gewinnen maximale zeitliche Flexibilität und legeren Kleidungsstil. Sie opfern dafür die Ruhe, den Service am Platz und oft auch die Gesprächsatmosphäre, da es laut ist.
- Entscheidung für Service-Restaurant: Sie gewinnen Ruhe, gehobene Präsentation der Speisen und das Gefühl von Luxus. Sie opfern Spontanität (feste Zeiten oder Reservierung nötig) und Zeit (Dauer ca. 90-120 Minuten).
Ihre Checkliste für entspannte Abende
Damit Ihr Dinner zum Genuss wird, nutzen Sie diese Strategie:
☐ Vor der Reise: App der Reederei laden und Tische in Spezialitätenrestaurants reservieren (sofort bei Buchungsfreigabe).
☐ Erster Tag an Bord: Prüfen Sie im Tagesprogramm die Öffnungszeiten. Gehen Sie antizyklisch essen (z. B. Buffet direkt zur Öffnung um 18:00 Uhr oder erst nach 20:30 Uhr).
☐ Dresscode prüfen: Packen Sie für Herren mindestens eine lange Chino oder Jeans ein (keine Risse/Löcher) für die Bedienrestaurants.
☐ Alternativen checken: Oft gibt es Snack-Bistros (z. B. Tag & Nacht Bistro bei Mein Schiff oder Best Pizza @ Sea bei AIDA), die eine ruhige, schnelle Alternative zum Hauptbuffet sind.
Am Ende ist der Unterschied zwischen Buffet und Service nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern Ihrer persönlichen Energiebilanz. Gönnen Sie sich zumindest an einem Abend den Luxus, bedient zu werden – selbst wenn die Getränke extra kosten. Die Ruhe ist es wert.
Mehr Details zu den Unterschieden finden Sie oft in aktuellen Reiseberichten auf Portalen wie CruiseTricks, die regelmäßig die Restaurant-Qualität testen.