Getränkepakete im Check: Wann sich die Flatrate wirklich rechnet

Jens Krüger

Die meisten Kreuzfahrer machen denselben teuren Fehler: Sie buchen das Getränkepaket reflexartig zur Reise dazu, aus Angst vor hohen Bordabrechnungen. Dabei ist die „All-Inclusive-Sicherheit“ oft eine kostspielige Illusion. Wer nicht genau nachrechne

Dieser Artikel analysiert die aktuelle Preislage für die Saison 2026. Er ist nicht geeignet für Gäste von TUI Cruises (da „Premium Alles Inklusive“ bereits inkludiert ist) oder für Reisende, die ausschließlich Wasser und Filterkaffee trinken. Für alle anderen ist dieser Guide die Entscheidungsgrundlage zwischen „Pay-as-you-go“ und Flatrate.

Die Flatrate-Falle: Warum „All Inclusive“ selten alles bedeutet

Das größte Missverständnis bei Getränkepaketen ist der Glaube, dass damit alle Kosten gedeckt sind. Die Realität im Jahr 2026 sieht anders aus. Reedereien haben ihre Pakete mittlerweile so komplex gestaltet, dass selbst erfahrene Kreuzfahrer den Überblick verlieren. Ein klassisches Beispiel ist MSC Cruises: Wer das beliebte „Easy“-Paket bucht, erhält oft nur ausgewählte Getränke bis zu einer gewissen Preisgrenze. Ein hochwertiger Cocktail oder ein spezielles Craft Beer kostet extra – und zwar den vollen Preis plus Servicegebühr, nicht nur die Differenz (je nach aktuellem Regelwerk und Fahrgebiet).

Auch bei Norwegian Cruise Line (NCL) lauert eine Falle: Das „Free at Sea“-Paket wirkt auf den ersten Blick wie ein Schnäppchen. Doch wer Kaffeespezialitäten von Starbucks oder stilles Wasser in Flaschen möchte, muss oft noch einmal upgraden – zum Beispiel auf das neu aufgelegte „Free at Sea Plus“. Die Basis-Flatrate deckt diese oft nachgefragten Extras nicht ab.

Häufige Fehler, die Sie Geld kosten

Viele Urlauber tappen in Fallen, die erst an Bord zuschnappen. Hier sind die drei teuersten Irrtümer:

1. Die Kabinen-Pflicht ignorieren

Bei fast allen Reedereien, darunter MSC, Costa und Royal Caribbean, gilt: Wenn einer in der Kabine ein Paket bucht, müssen alle anderen Bewohner derselben Kabine (manchmal sogar der ganzen Buchung) ebenfalls ein Paket kaufen. Das ist besonders ärgerlich, wenn ein Partner gerne Wein trinkt, der andere aber fast nur Wasser. Sie zahlen dann zwangsweise für eine Leistung, die einer von Ihnen gar nicht nutzt.

2. Die Hafen-Tage vergessen

Ein Getränkepaket lohnt sich rechnerisch nur an Seetagen wirklich. Bei einer hafenintensiven Route im Mittelmeer (z.B. Barcelona, Rom, Marseille hintereinander) sind Sie tagsüber oft an Land. Dort kaufen Sie Getränke in lokalen Cafés. Das teure Paket auf dem Schiff bleibt ungenutzt. Faustregel: Wenn Sie mehr als 50% der Tage an Land verbringen, ist „Pay-as-you-go“ fast immer günstiger.

3. Die Service-Gebühr übersehen

Besonders bei US-Reedereien wie Royal Caribbean oder NCL kommen auf den angezeigten Paketpreis oft noch 18% bis 20% „Gratuity“ (Servicegebühr) oben drauf. Ein Paket für 70 Dollar kostet dann real 84 Dollar pro Tag. Bei deutschen Anbietern wie AIDA sind die Servicegebühren in den Bruttopreisen der Bar-Karte bereits enthalten, was den direkten Preisvergleich erschwert.

Ihre Checkliste für die Entscheidung

Bevor Sie den „Buchen“-Button klicken, gehen Sie diese Punkte durch:

  • Reiseroute prüfen: Wie viele reine Seetage hat Ihre Reise? (Weniger als 3 Seetage bei 7 Tagen Reise spricht gegen ein Paket).
  • Partner-Check: Trinkt mein Kabinenpartner genug, um den „Kabinen-Zwang“ zu rechtfertigen?
  • Marken-Präferenz: Bestehe ich auf Marken-Spirituosen (z.B. Bombay Sapphire Gin)? Prüfen Sie, ob diese im gewählten Paket (z.B. AIDA „All In“ vs. „Light“) namentlich genannt sind.
  • Kinder-Regel: Muss ich für meine Kinder teure Softdrink-Pakete dazubuchen, nur weil ich Wein trinken möchte?
  • Vorab-Preis checken: Ist das Paket online vor der Reise günstiger? (Bei MSC und Costa sparen Sie bei Vorabbuchung oft bis zu 15-20% gegenüber dem Bordpreis).

Wann lohnt es sich wirklich? Die Break-Even-Rechnung

Lassen Sie uns konkret rechnen. Die Preise basieren auf dem Niveau von Anfang 2026. Ein durchschnittliches „All Inclusive“-Paket kostet bei vielen Reedereien zwischen 40 € und 70 € pro Person und Tag.

Um 50 € am Tag „abzutrinken“, müssten Sie bei Einzelpreisen (z.B. AIDA Barkarte) etwa folgendes konsumieren:

  • 2 x Kaffeespezialität (je ca. 3,50 €)
  • 2 x Softdrink 0,3l (je ca. 3,00 €)
  • 1 x Aperol Spritz zum Sonnenuntergang (ca. 9,20 €)
  • 2 x Glas Wein zum Essen (je ca. 7,50 €)
  • 1 x Cocktail am Abend (ca. 10,50 €)

Ergebnis: Erst mit dieser Menge erreichen Sie knapp die 50 €-Marke. Trinken Sie an Landtagen weniger, zahlen Sie mit dem Paket drauf. Trinken Sie nur Bier und Wasser, lohnt sich das große Paket fast nie.

Was Sie dafür aufgeben: Die Nachteile

Ein Paket zu buchen bedeutet nicht nur Komfort, sondern auch Verzicht:

Qualität gegen Quantität

Oft sind in den Basis-Paketen (wie MSC Easy oder Costa My Drinks) nur die „Hausmarken“ beim Alkohol inklusive. Der bessere Grappa oder der echte Champagner kosten extra. Wer Qualität schätzt, fühlt sich im Paket oft eingeschränkt.

Der psychologische Druck

Es entsteht der unbewusste Drang, das Paket „auszunutzen“. Man bestellt noch einen Cocktail, obwohl man eigentlich keinen mehr möchte, nur damit sich die 60 € Tagesgebühr „rechnen“. Das führt oft zu einem höheren Alkoholkonsum als geplant.

Keine Flexibilität bei Spezialitäten

In vielen Fällen gelten die Pakete nicht in allen Bars. Bei NCL sind Starbucks-Filialen an Bord oft ausgenommen. Bei AIDA waren Getränke in den À-la-carte-Restaurants lange Zeit ein komplexes Thema (oft nur bei bestimmten Tarifen wie „AIDA Premium All In“ voll abgedeckt). Prüfen Sie das Kleingedruckte genau.

Fazit: Für wen ist welches Modell?

Die Entscheidung hängt von Ihrem persönlichen „Trink-Typ“ ab:

Wählen Sie das Paket, wenn: Sie im Urlaub nicht auf Preise schauen wollen, gerne Cocktails und Kaffeespezialitäten trinken und viele Seetage haben. Vor allem bei AIDA (Tarif „All In“) oder MSC (als Promo-Aktion) kann das ein gutes Geschäft sein.

Bleiben Sie bei Einzelabrechnung, wenn: Sie hauptsächlich Wasser und Bier trinken, viele Landausflüge planen oder sehr markenbewusst sind und lieber gezielt für einen guten Wein zahlen, als Massenware gratis zu bekommen. Nutzen Sie das gesparte Geld lieber für ein Abendessen im Spezialitätenrestaurant.

Für detaillierte Preislisten und aktuelle Konditionen lohnt sich immer ein direkter Blick auf die Seiten der Reedereien. Prüfen Sie die Barkarten bei AIDA unter „Getränkepakete“, vergleichen Sie die Inklusivleistungen bei TUI Cruises (Mein Schiff) unter „Premium Alles Inklusive“ oder schauen Sie sich die Details bei MSC Cruises im Bereich „Getränkepakete“ an.